« The Lighthouse | HomePage | Brundibár »

Wednesday, March 26, 2008

In the Shadow of Paradoxical Times

A year after my last concert in Yerevan, the review has finally come through, here translated into German. English follows shortly.

The original Russian can be downloaded by clicking here:

Article_on_16.03.07_concert.jpg 

  

   

Im Schatten der parodoxen Zeit

Das ewige Problem des Musikinterprets – zu spielen im Geiste der alten oder der neuen Zeit – kam deutlich zum Vorschein auf dem letzten Konzert des Armenischen Philarmonie-Orchesters. Dieser fiel sehr interessant aus, dank der Teilnahme von Ivan Monigetti (Schweiz), berühmten Schülers von Rostropovitsch, und des englischen Dirigenten Paul MacAlindin, der zum zweiten Mal nach 2005 nach Erevan kam.

Im Programm stand die Siebte Symphonie von L.v. Beethoven, Konzert Nr. 1 für die Violincello mit Orchester von D. Schostakovitsch, und die Erste Symphonie von S. Rostomjan, Leiter der sich fruchtbar entwickelnden Antreprise „Perspektiven XXI“. Es scheint, daß für den Violinespieler Monigetti das Dillemma der Zeit nicht existiert. Währen seiner 40-jähriger Tätigkeit (erster Besuch in Erevan – im Jahr 1982) ist er zu einer anerkannten Autorität geworden sowohl auf dem Gebiert der zeitgenössischen Musik, wie auch auf in der barokken Musik (so hat er Anfang der 1990er den Ensamble „Kamerata Bokkerini“ organisiert). Indem er die Gegenpole der verschiedener Zeiten glättete, Ivan Monigetty fand „Den Faden, der die Zeiten verbindet“. Der Musik unserer Zeit verleiht er den Charakter der Kammermusik, und in die altertümliche Musik bringt er die Logik neuer Musik mit ein. Als ein Beispiel solches Denkens erschien das von Monigetty hervorragend dargebrachte Stück „Per Slava“ für Violoncello solo von Christoph Penderetzky, dem Mstislav Rostropovitz gewidmet. Der zweite Violoncello-Konzert von Dmitry Schostakovitz – anerkannte Klassik des 20. Jahrhundert – in der Interpretation von I. Monigetty wurde eine ganzheitliche dramatische Erzählung. Der führende Violoncello Part , dem ständig die contr-solo Valtorna folgte (in anständigem Spiel von M. Ter-Minasjan), wurde mit verschiedenem Inhalt angereichert. Die Musik mit dem charakteristischen musikalischen Nerv, die sich anfangs an den Zuhörer richtete, wandte sich zunehmend nach innen und wurde zunehmend immer mehr von der Art einer Beichte. Die breit  entfachte solo-Kadenz im dritten Teil – das ist ein lyrischer Monolog über das außerpersönliche, gesamtvölkische Drama. Es ist kein Zufall, daß in diesem Aufsatz, welches vom Schostakowitsch 1959 gleichzeitig mit Orchester-Oper „Chovanschina“ fertiggestellt wurde, so stark der Geist von Musorgsky vertreten ist. Die artistische Intuition Monningetty’s, welche die musikalischen Fäden großer russischer Composers fein zusammenbindet, spannte sich zu den späten Erneuerern. Ihnen widerhallend, die musikalische Sprache Monningetty wurde zunehmend ausgeklügelt (elaborated), aber auch präzise, mit sich reißend das leise gewordene Publikum im Großen Konzertsal namens A. Chastschaturjan.

 

Dem Dirigenten Paul MacAlindin ist die Qualität der Präzesion auch eigen, seine Geste sticht hervor durch Präzesion und Machtanspruch. Armenische Philarmoniker unterwarfen sich den Wünschen des erfahrenen Gasts aus England, der in den letzten Jahren mehr mit Deutschland verbunden ist und in Köln lebt. Nachdem er die Dirigenten-Schule unter der Leitung von Edgar Howart durchlaufen hatte, MacAlindin arbeitete mit verschiedenen Orchestern und Ensambles des Vereinigten Königreichs, sich überwiegend im Vorführen der neuen Musik perfektionierend. Diese Verdienste des Musikers wurden deutlich zum Vorschein gebracht durch die den Konzert einleitende Erste Symphonie von Stephan Rostromjan. Diese wurde von ihm 1980-1981 zum Abschluß des Konservatoriums in Erevan geschaffen, wo er die Klassen von L. Sarjan und A. Terterjan besuchte. Die Symphonie zeichnet sich aus durch die tembre Farbigkeit und rhytmische Sättigung des Orchesters. Die plastischen Hände des Dirigenten haben für eine würdige Realisierung der Premiere dises Stücks gesorgt. Im zweiten Teil des Konzerts wurde die Siebte Symphonie la majour von Beethoven aufgeführt, die am meisten populär ist in den Programmheften in Erevan. Die Interpretation dieser Symphonie reflektiert immer die Vorlieben des Dirigenten. Auch diesmal wurde die Siebte Symphonie interpretiert auf eine neue Art, unter dem Schatten der parodoxen Zeit, die einer anderen Logik des Vergleichs und Verknüpfens unterworfen ist. In der Musik von Beethoven war der Dirigent bestrebt, ihren inneren Aufbau und die Neben- und Begleit-Stimmen auszuleuchten, die nicht sleten die leitende thematische Linien in den Hintergrund zurückdrängen. Im Ergebnis entstand eine originelle Geometrie der tembren Ebenen, die Musik abstrakt und hart-konstruktivistisch machend. Geschmeidig folgte unser Orchester dem Dirigenten, dessen Konzept realisierend, während bei dem Zuhörer sich der Wunsch zuspitzte, der Musik von Beethoven erneut zu begegnen. 

 

Svetlana Sarkisjan, Doktor der Kunstwissenschaft/Überseztung Dr. Viktor Zimmerman

13:20 Posted in Music | Permalink | Comments (0) | Email this